Wann ist eigentlich Schluss mit dem Food Truck?
Gedanken nach einem guten Jahr - und warum genau das unruhig macht
13.01.2026
2025 war ... solide.
So ungefähr könnte man mein Jahr zusammenfassen.
Nicht so spektakulär wie 2024, aber eben auch nicht zum Einschlafen langweilig ("solide" im Unternehmerjargon = "Lieber ein zweites Mal schlau investieren als einmal dumm verlieren").
Dass ich darüber überhaupt nachdenke, fühlt sich so ein bisschen an, als würde man sich beim Frühstücksei fragen: Will ich heute eigentlich wirklich ein Ei? – eine schwere Frage für etwas, das einem vormals das halbe Leben lang völlig egal war.
Denn objektiv betrachtet lief vieles gut:
- Die Zahlen stimmen.
- Die Anfragen sind da.
- Caterings kamen, Caterings gingen.
Am Ende steht ein Ergebnis, bei dem man ein kleines, dezent spitzeres Nicken im Spiegel nicht unterdrücken kann: Ja .... läuft!
Aber: Was sich im Inneren rührt, hat mit Zahlen wenig zu tun.
Und genau dort beginnt diese leise, unterschwellige Frage, die inzwischen öfter auftaucht: Wann ist eigentlich Schluss?
Ein gutes Jahr und was es mit uns macht
Erstmal der nüchterne Teil: 2025 war kein Drama, keine Dürre, kein Auf-und-Ab-Thriller. Nach 2024 – einem Jahr, das wirtschaftlich krass war, aber privat auch sehr herausfordernd war – war so ein "gutes Jahr" erst einmal … beruhigend.
Und für alle, die 2024 noch nicht gelesen haben: Das war kein Spaziergang. Privat gab es Ups & Downs, echte familiäre Turbulenzen, und ich habe im Winter tatsächlich zweimal Caterings absagen müssen. Etwas, das ich vorher für so wahrscheinlich hielt wie einen Reifenplatzer beim Sonntagskaffee.
Logisch also, dass ein gutes Jahr wie eine willkommene Atempause wirkt.
Aber hier kommt der Haken:
Ein gutes Jahr fühlt sich irgendwie zu brav an.
Nicht euphorisch. Nicht fordernd. Einfach nur … gut.
Und genau dieses "gut" ist das, was mich seit Monaten beschäftigt.
Ein kurzer Realitätsabgleich
Viele Gedanken, die hier auftauchen, kommen nicht aus dem Nichts.
Sie entstehen, wenn man das Food-Truck-Business lange genug macht, keinem Hype hinterherläuft und anfängt,
Dinge einzuordnen statt zu beschönigen.
Genau dafür habe ich mein Buch geschrieben: als nüchterne Gegenstimme zu "Mach dich einfach selbstständig".
"Wann ist Schluss?" ist keine resignative Floskel
Lass uns das direkt klar stellen:
Die Frage "Wann ist Schluss?" heißt nicht: "Ich will aufhören."
Sondern: "Ich merke, dass sich etwas verändert."
Es ist der gedämpfte Regenschauer nach einer Zeit voller Gewitter. Nicht heiß, nicht kalt, einfach grau. Und plötzlich fragt man sich, ob man überhaupt noch Regen braucht.
Das ist keine dramatische Entscheidung.
Das ist eine stille Wahrnehmung.
Erst denkt man: Ach, ist halt ein gutes Jahr, das fühlt sich eben anders an.
Dann denkt man: Hmm… komisch, dass es mich so nachdenklich stimmt.
Und irgendwann sitzt man beim Kaffee und erwischt sich dabei, wie man darüber sinniert, warum ein gutes Jahr eigentlich nicht dafür sorgt, dass man morgens mit einem breiten Grinsen aus dem Bett springt. Sondern eher damit, dass man sich fragt, ob es noch was anderes zu tun gäbe.
Routine ist wie ein bequemer Pulli
Routine ist zunächst etwas Wunderbares.
Sie schmiegt sich an, sie wärmt, sie kratz nicht – meistens.
Aber irgendwann fühlt sie sich einfach zu bequem an.
Und das hat einen Effekt, den niemand wirklich beschreibt:
Routine macht nicht glücklich – sie macht unerreichbar für das, was jenseits von Routine möglich ist.
Du arbeitest. Du planst. Du führst Caterings durch. Du machst Buchungen. Du erklärst dem Kunden noch einmal den Unterschied zwischen 2000 Portionen Szenefood und 20 Portionen Fingerfood ("Nein, das ist wirklich nicht mein Standardgeschäft."). Und alles läuft.
Und dann irgendwann am Rand dieses sanften "Laufs" taucht diese Frage auf:
Warum fühlt sich das nicht mehr wie ein Abenteuer an?
Das ist nicht Wehleidigkeit.
Das ist ein Indikator.
Ein Indikator dafür, dass du nicht einfach nur funktionieren willst.
Aufhören ist kein glasklarer Moment – sondern ein Prozess
Aufhören ist selten eine Entscheidung.
Es ist ein Prozess.
Niemand wacht auf und sagt: "Heute höre ich auf."
Außer vielleicht im Angestelltenverhältnis. Wenn es richtig gekracht hat. Und selbst dann folgt meist erst einmal der gelbe Schein. Als diplomatische Form des Aufhörens auf Zeit.
Aber häufiger ist es so:
Die Frage taucht öfter auf.
Du denkst seltener in Zukunftsvisionen als in Zustandsbeschreibungen.
Du hörst auf, dir neue Ziele auszudenken, sondern versuchst, die bestehenden "gut am Leben zu halten".
Es ist wie eine kleine Schieflage im Innenraum deines Schiffes: Zuerst merkst du es kaum. Dann spürst du, dass etwas anders im Wasser liegt. Und erst später merkst du: Da ist seit Wochen ein leiser Wasserstand im Bug.
Das passiert langsam. Und das kann sich im Kopf sehr viel lauter anfühlen, als es wirtschaftlich oder faktisch ist.
Und genau deshalb schreibt man so einen Text: Nicht, weil man einen Schlussstrich ziehen will. Sondern weil man merkt, dass man noch am Anfang einer inneren Bewegung steht.
Humor als innerer Rettungsring
Wenn ich ehrlich bin – und das kann ich – dann ist ein Teil dieser Frage auch einfach Humor.
Nicht Lach-bis-du-Dir-den-Bauch-hältst-Humor, sondern selbstironischer Humor:
"Verdammt, ich habe ein gutes Jahr hinter mir und trotzdem frage ich mich, ob ich das noch ewig mache – wie ein Rentner, der sich fragt, ob er morgen schon Golfen gehen will oder doch lieber liegen bleibt."
"Ich habe mehr Caterings gemacht als ich zählen konnte, aber am Ende des Tages frage ich mich, ob die Caterings mich noch fragen oder ich sie."
"Mein Truck läuft besser als mein Fitness-Tracker – aber der Fitness-Tracker meldet mindestens drei Gründe, warum ich nicht mehr so weiter machen sollte."
Das ist kein Zynismus. Das ist ein kleines Augenzwinkern, mit dem man sich selbst auf die Schulter klopft und sagt: "Du hast es echt gut gemacht dieses Jahr. Und du hast gute Gründe, drüber nachzudenken."
Wahrscheinlich ist das normal
Vielleicht ist das alles gar kein großes Thema.
Vielleicht ist es einfach nur das, was passiert, wenn etwas lange funktioniert.
Man wird nicht unzufrieden. Man wird auch nicht euphorisch. Man stellt nur fest, dass Routine irgendwann nicht mehr beruhigt, sondern Fragen freilegt.
Ich weiß nicht, wann Schluss ist. Vielleicht auch gar nicht so bald.
Aber ich merke, dass ich mir diese Frage nicht mehr verbiete.
Und das reicht fürs Erste.
Falls du merkst, dass diese Frage nicht nur theoretisch ist
Die Frage "Wann ist Schluss?" taucht selten plötzlich auf.
Meist schleicht sie sich ein – zwischen funktionierenden Abläufen, guten Zahlen und dem Gefühl, dass irgendetwas innerlich weiterzieht.
Genau für diese Phase habe ich das Reich an Zeit – Workbook geschrieben.
Nicht als Ausstiegsanleitung. Sondern als Möglichkeit, das eigene Arbeiten, Denken und Entscheiden einmal ehrlich auseinanderzunehmen und sich das Leben leichter zu machen.
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